Ich frage mich schon mal
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Ich frage mich schon mal

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weshalb ich mir das antue, und wohin soll das Ganze führen?
Ohne lang zu überlegen antworte ich mir selber, – um abzunehmen und aufs Dach der Welt. Beides ist wahr. Selbstgespräche sind bei einem Alleinreisenden an der Tagesordnung.

Leaving the Kargush Pass

Ich halte zum 40. mal an, verschnaufe, dreh mich um, und blicke auf die zurückgelegte Strecke, auf die 5 und 6 Tausender am Wakhan Range und den imposanten Koh- E-Pamir und an Alles um mich herum. Folge den Pfiffen der Murmeltiere und sehe wie sie im Bau verschwinden. Es kommt aus meinem Inneren, eine zweite Antwort. – Wie kannst du es wagen, unter einer solchen Naturgewalt und Kulisse überhaupt noch zu zweifeln oder gar eine solche stupide Frage zu stellen??
Ich bin schlicht überwältigt. Nach einem letzten Seufzer hole ich tief Luft ein, die nun auf 4tsd Meter recht dünn geworden ist, und fange erneut durch den Schotter mein Fahrrad hinauf zu schieben.
Am Kontrollposten bei Khargush muss ich nochmals mein Pass und mein GBAO Permit vorzeigen, ein Vorhängeschloss wird eröffnet und die Schranke mit Stacheldraht wird erhoben. Ich darf passieren. Olivier mit dem ich die letzten zwei Tage gereist bin ist bereits jenseits der Schranke und wartet an der verlassenen Haltestelle bei der Abzweigung auf mich.

Campsite between Khargush and Alichur

Ich fülle nochmals mein Wasservorrat am Bach auf und verabschiede mich von Olivier. Seine Route geht nun den Pamir Fluss entlang, in das Naturschutzgebiet und meine geht hinauf in den Pamir über den Khargush Pass, bei 4344 MSL, also noch ca 400 Meter zu steigen. Es ist wie auch nicht anders erwartet, eine Schotterpiste, jedoch im nicht so desolaten Zustand wie die Strasse im Wakhan. Vermutlich auch besser erhalten da hier höchstens zehn Fahrzeuge am Tag verkehren, und dass auch nur in den Schneefreien Monaten. Selbstverständlich muss ich bei jedem Aufstieg schieben, auch bei leichteren, da mein Fahrrad auf dem Schotter bald den Griff verliert. Ein steter Tropfen höhlt den Stein, und so erreiche ich den Pass, der keine Kennzeichnung trägt, um 4 Uhr nachmittags. Ich drehe mich noch ein letztes mal um, und verabschiede mich endgültig vom Wakhan Gebirge und von den schneebedeckten 6 Tausender drüben in Afghanistan. Eigentlich ist es schon lange schroff, und das erzhaltige Gestein beeindruckt durch die Formationen und Farbenpracht. Links unten, einen Rinnsal entlang ist es grün. In der Ferne sehe ich immer wieder weiden und Schafe und hie und da eine Stein- oder Lehmbehausung, welche den Hirten im Sommer ein Obdach bietet. Jetzt kann es bergab gehen, schnell auf keinem Fall, da das fahren im Geröll und Sand viel Vorsicht erfordert.
In Millionen von Jahren hat sich dieser Weg im Gestein eingefrässt. Ich passiere ein enges Tal und mal eine Schlucht, mal grünt es rechts, mal links und mal wieder nichts. An einer Wasserquelle tank ich nochmals auf. Mein ziel, die Ortschaft Alichur liegt noch 35 Km vor mir, aber bei einem kleinen See namens Chukurkul entscheide ich mich, mein Zelt aufzubauen. Hundert Meter von der Straße entfernt, ohne jeglichen Sichtschutz, da es hier ohnehin nicht mehr möglich ist, jedoch sehr entspannt, da ich im ganzen Tage nur zwei Motorradfahrer begegnet bin und um diese Uhrzeit, halb Sieben abends eh nicht mehr mit „Begleitung“ zu rechnen habe.
Meine Erbsensuppe mit Broteinlage und eine Thermoskanne mit heißem Tee genieße ich in der Dämmerung bevor ich mich warm in meinem Schlafsack einpacke.
Das erreichen der M41 (den eigentlichen Pamir Highway) erreiche ich dan morgen, und dem folgend, auch Alichur.

The second day in a row without crossing anyone. Heading Alichur

 

Close to Alichur almost back to the M41
M41
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